Skip to main content

Plastik vs. Glas- was ist besser für Umwelt und Geschmack

quelle: Oekotest.de

Bei Mineralwasser scheiden sich die Geister – vor allem, wenn es um die Verpackung geht: Plastik oder Glas, Mehrweg oder Einweg? Ein Blick auf die Vor- und Nachteile kann helfen, die richtige Wahl zu treffen.

 

Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Verbraucherinnen und Verbrauchern antwortet der Markt mit einer Fülle an Mineralwasser-Formaten: Von der individuellen Mehrwegflasche eines regionalen Brunnenbetriebs bis zur PET-Einwegflasche (aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat) einer Discounter-Marke ist alles vertreten. Handling, Nachhaltigkeit, Haltbarkeit, Geschmack und Gesundheit sind die wichtigsten Faktoren um zu beurteilen, welche Verpackung am besten zum jeweiligen Verzehranlass passt.

 

So entscheiden Verbraucher

Nach Angaben des Verbands Deutscher Mineralbrunnen e.V. haben die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher 2024 mit einem Verpackungsanteil von 59,5 Prozent vor allem zu PET-Einwegflaschen gegriffen. PET-Mehrwegflaschen machten dagegen nur 14,6 Prozent und Glas-Mehrwegflaschen 20,4 Prozent des Verpackungsvolumens aus. Auf PETCycle-Flaschen, also PET-Einwegflaschen in Mehrwegkästen, entfielen 5,1 Prozent, auf sonstige Verpackungen wie Tetra Pak 0,4 Prozent.

quelle: Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V. (VDM)

PET-Einwegflaschen punkten beim Gewicht

Keine Frage: Glasflaschen wirken hochwertiger als Plastikflaschen. Dennoch stehen PET-Einwegflaschen auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Die Vorteile liegen auf der Hand: PET-Flaschen sind fast unzerbrechlich und um einiges leichter als Glasflaschen. Eine 500-ml-Glasflasche wiegt im Schnitt rund 260 Gramm, eine PET-Flasche derselben Größe dagegen nur knapp 13 Gramm. Dieser Vorteil zahlt sich schon bei der Herstellung aus, denn PET-Einwegflaschen werden aus kleinen, leichten Rohlingen direkt im Mineralbrunnenbetrieb hergestellt und sind damit besonders kosteneffizient – sowohl bei der Rohstoffbeschaffung als auch beim Transport. Allerdings kann dieser Vorteil wieder schwinden, wenn das Wasser in PET-Einwegflaschen sehr weite Transportwege, etwa in die Discounter, zurücklegt. Deshalb gilt auch hier: Regional kaufen ist die beste Entscheidung!

 

Ökobilanz von Einweg und Mehrweg

Seit wenigen Jahren sind auch PET-Einwegflaschen in das deutsche Mehrweg- und Kreislaufsystem eingebunden – genauso wie Glasflaschen und PET-Mehrwegflaschen. Die Rücklaufquote im Pfandsystem beträgt fast 100 Prozent. Aber nur etwas mehr als ein Viertel der geschredderten und eingeschmolzenen PET-Einwegflaschen wird für die Herstellung neuer Flaschen genutzt. Der eingeschmolzene Kunststoff ist häufig verfärbt und taugt nur noch für die Herstellung von Fasern oder Folien. Demnach muss für jede neue PET-Einwegflasche neues Plastik verwendet werden. Unter diesem Aspekt sind Mehrwegflaschen die umweltfreundlichere Wahl, auch wenn die Herstellung der Glasflaschen vergleichsweise mehr Energie verbraucht und zunehmend höhere Kosten verursacht. Aber: Mehrweg-Glasflaschen können immerhin bis zu 50 mal befüllt werden, PET-Mehrwegflaschen bis zu 25 mal. Allerdings machen die CO2-Emissionen langer Transportwege die positive Ökobilanz jedweder Verpackungsart schnell zunichte. Fazit: Regionales Wasser in Mehrwegflaschen hat die beste Klimabilanz.

 

Mehr Recycling durch PET-Cycle

Im noch relativ wenig genutzten PET-Cycle-System werden PET-Flaschen aus Gründen der einfachen Handhabung zwar in Mehrwegkästen transportiert, aber nur einmal genutzt

und nach der Rückgabe komplett zu Rezyklat verarbeitet, das zur Herstellung neuer PET-Flaschen genutzt wird. PET-Cycle-Flaschen bestehen zu mindestens 75 Prozent aus Recycling-Material und weisen so eine Ökobilanz auf, die mit der von Glas-Mehrwegflaschen vergleichbar ist.

 

Glasflaschen sichern Qualität und Geschmack

In Sachen Haltbarkeit des Wassers sind Glasflaschen wegen der Dichtheit des Materials die eindeutigen Sieger. PET ist bis zu einem gewissen Grad durchlässig für Gase, so dass in PET-Flaschen abgefüllte Mineralwässer mit der Zeit einen Teil ihres Kohlensäuregehalts verlieren. Andersherum können Gerüche aus der Umgebung in die PET-Flasche eindringen. Wasser aus Glasflaschen wird daher von Konsumenten oft als frischer und klarer wahrgenommen. Bei PET-Mehrwegflaschen ist das leicht kristalline Material weniger durchlässig für Sauerstoff und Kohlensäure als bei PET-Einwegflaschen.

 

Der Wohlfühlfaktor entscheidet

All diese Fakten geben zwar wichtige Argumente an die Hand – doch eines können sie nicht und darauf kommt es letztlich an: Entscheiden, mit welcher Verpackung sich die Verbraucherinnen und Verbraucher am wohlsten fühlen.

Keine gesundheitlichen Bedenken bei PET-Flaschen

 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat auf seiner Website eine überarbeitete Stellungnahme zu gesundheitlichen Fragen rund um PET-Flaschen veröffentlicht.

Demnach zeigte der Vergleich zwischen Mineralwässern aus PET-Flaschen und solchen aus Glasflaschen in neuesten Studien keinen Unterschied bei der Messung von hormonellen Wirkungen in Zellkulturen. Zwar können bei der Herstellung von PET Antimonverbindungen als Katalysator verwendet werden, die sehr gering östrogen wirken. Doch die Werte liegen deutlich unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts. Auch werden bei der Herstellung von PET-Flaschen keine Weichmacher verwendet, wie oft fälschlicherweise angenommen wird.

 

Eben sowenig Bisphenol A. Zwar seien bei Untersuchungen insbesondere in recycelten PET-Flaschen in einigen Fällen geringe Mengen an Bisphenol A nachgewiesen worden, die in geringen Mengen ins Mineralwasser abgegeben werden können. Doch würden die Grenzwerte nicht überschritten und es seien keine gesundheitlichen Nachteile zu erwarten. Ein weiterer Stoff, der untersucht wurde, ist Acetaldehyd. Geht Acetaldehyd durch einen technischen Herstellungsfehler aus der Flasche in das Getränk über, kann es in Mineralwasser schon in sehr kleinen Mengen geschmeckt und gerochen werden. Allerdings werden auch hier die von der EU zugelassenen Grenzwerte lange nicht erreicht.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, Mai 2025 (www.bfr.bund.de)